Bad Bunny und sein Album „Debí tirar más fotos“

Von Elina Golowatschew

Spanischsprachige Musik ist in Deutschland noch nicht so bekannt wie in anderen Teilen der Welt. Trotzdem hat sie einen starken Einfluss auf Rap und Pop. Einer der besten Beispiele dafür ist Bad Bunny. Der puerto-ricanische Rapper, Sänger und Produzent macht seit fast 10 Jahren Musik und wird 2026 die Halbzeitshow vom Super Bowl bestreiten. Aber wer genau ist er und warum sind er und sein letztes Album so wichtig und gleichzeitig bei einigen Menschen so „kontrovers“?

Benito Antonio Martínez Ocasio, aka Bad Bunny, wurde 1994 in Puerto Rico geboren und ist einer der bekanntesten Musiker weltweit. 2025 wurde er nach 2020, 2021 und 2022 wieder Spotifys meistgehörtester Künstler. Seine Lieder sind hauptsächlich auf Spanisch und trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, so erfolgreich und maßgeblich verantwortlich dafür, dass spanische Musik und Genres Mainstream geworden sind. Hits wie „Monaco“, „Tití me Preguntó“ oder „I Like it“ mit Cardi B und J Balvin bezeugen das. Seine Vielzahl an Auszeichnungen inklusive von drei Grammys bestätigen diesen Erfolg auch. Dabei beschränkt er sich nicht auf die Genres Trap und Hip Hop, denn seine Alben sind divers und rangieren von wilden Tanzhymnen bis hin zu persönlichem Rap.

Das heißt: Er hat keine Angst oder Scheu vor Experimenten und er schafft es gleichzeitig, seinen eigenen Stil zu erschaffen und diesem Stil treuzublieben. Das spürt man nicht nur bei seiner Musik. Er ist bekannt dafür mit Mode zu experimentieren und traut sich Geschlechterrollen in Frage zu stellen. Das wird besonders spürbar bei seinen Met-Gala- oder Musikvideo-Outfits. Umso wichtiger ist es, dass diese Outfits nicht nur oberflächliche Zeichen sind. Bad Bunny unterstützt offen die LGBTQ+-Community, thematisiert Gewalt gegen Frauen und küsste schon Männer während seiner Auftritte. Außerdem unterstützt er linke Kandidat*innen bei den amerikanischen und puerto-ricanischen Wahlen. Und ein weiterer Fun Fact! Bis vor kurzem sprach er bei Interviews konsequent nur Spanisch. Sein Aktivismus und seine starke Verbundenheit zu Puerto Rico stärken sich also gegenseitig ohne dabei die existierenden Probleme zu ignorieren.

Gerade das wird bei seinem im Januar 2025 veröffentlichten Album besonders deutlich: Es heißt „Debí tirar más fotos“ (dt.: „Ich hätte mehr Fotos machen sollen“) und greift die Geschichte von Puerto Rico, von der Insel und von ihren Bewohnern auf. Es beleuchtet die positiven und negativen Seiten und thematisiert z.B. die Auswirkungen von Tourismus und Gentrifizierung und die Parallelen zu Hawaii, einem US-Bundesstaat und ehemaligem US-amerikanischen „Außengebiet“. Wie Hawaii wird Puerto Rico oft als Insel und Urlaubsort romantisiert. Gleichzeitig werden die steigenden Lebenshaltungskosten und schlechte Infrastruktur – also reale Probleme der lokalen Bevölkerung – ignoriert. Bad Bunny erzählt auch von der Schwierigkeit die kulturelle Identität zu behalten, von Vergehen, sowie von der großen puerto-ricanischen Community in New York City. Allgemein ist die besondere Beziehung zwischen Puerto Rico und den Vereinigten Staaten ein großes Thema.

Puerto Rico wurde nämlich Ende des 19-ten Jahrhunderts von den USA besetzt und gilt seitdem offiziell als „Außengebiet“ (engl.: „Territory“). Die Bewohner*innen erhalten offiziell einen amerikanischen Pass, aber haben dafür individuell und systematisch eingeschränkte Rechte, was z.B. durch die erst seit ungefähr 70 Jahren stattfindenden demokratischen Wahlen deutlich wird. Das bedeutet, dass sie keine eigenständige Nation oder ein amerikanischer Bundesstaat sind und deshalb mit Unsicherheit und Diskriminierung kämpfen. Bad Bunny zeigt all das in seinen neuen Liedern, genauso wie den Wunsch nach Selbstbestimmung, Anerkennung und Stolz. Das tut er nicht nur in seinen Texten, sondern auch in den musikalischen und visuellen Aspekten des Albums.

Das Albumcover ist vielleicht das klarste Beispiel dafür. Zwei weiße Plastikstühle stehen vor einem grünen Hintergrund voller Palmen und Bananenstauden – und stehen symbolisch für das Land, die Leute und die Verhältnisse. Doch diese Symbole und Bedeutungen findet man nicht nur dort. Die puerto-ricanische Flagge ist in fast jedem Video und Foto vertreten und seine Visualizer bzw. Mini-Videos für die B-Sides berichten über bedeutungsvolle Ereignisse der puerto-ricanischen Geschichte. Bad Bunnys Musikvideos spielen dieses Mal in einer Salsa Tanzschule oder an Strandcafes und der Rapper trägt dabei traditionelle Strohhüte und Flip-Flops. Musikalisch integriert er puerto-ricanische Elemente wie Blasinstrumente und Chöre, sowie den traditionellen Salsa und Jíbaro, in seine Lieder und singt dieses Mal genauso viel wie er rappt.

Bad Bunny präsentiert also das Land im Ganzen, die guten und schlechten Seiten und die Würde, die dem Land und den Menschen gelten sollte, vor allem im Angesicht des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seiner extremen rechts-konservativen Regierung. Das macht er auch deutlich indem er auf Tourstopps in den USA verzichtet, da viele seiner Fans nicht weiß sind und deshalb von der amerikanischen Immigrationsbehörde ICE festgenommen bzw. entführt werden könnten. Der Super Bowl wird dort also sein einziger Auftritt mit dem Album sein und garantiert ein politisches Zeichen setzen.

Beitragsbild: Lena Eriksson/Pixabay

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