Von Sebastian Brosowski, Lina Scheifl, Hermine Freick, Christian Hartwig und Alisha Bierwirth
Vom 19. Bis zum 27. Januar 2026 finden an der Georg-August-Universität die jährlichen Hochschulwahlen statt. Von studentischen Mitgliedern in den Kollegialorganen wie Senat und Fakultätsrat über sämtliche Stellen in der studentischen Selbstverwaltung – klein bis groß, Fachgruppensprecher bis Vorsitz des Allgemeinen Studierendenausschusses – ist alles wieder offen. Und nicht nur das, auch die Urabstimmungen finden statt – und damit steht wieder einmal das Deutschland- und das Kulturticket auf dem digitalen Wahlzettel der Studierenden.
Der Große Preis ist wie immer der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), der die Studierenden der Universität nach innen und nach außen vertritt – und dazu braucht es wie immer eine Mehrheit im Studierendenparlament (StuPa). Bei diesen Wahlen wetteifern 13 Listen um die 43 Plätze im StuPa – wer sind also diese Listen und was fordern sie?
Kurzcheck – Wer sind die dreizehn Listen
Liste 1: Volt-Hochschulgruppe
Die Volt-Hochschulgruppe ist Teil der Europa-Bewegung Volt und ist eine eine progressiv-politische Hochschulgruppe. Die Kernthemen der Gruppe sind laut eigenen Angaben Internationalisierung, soziale Gerechtigkeit und Diversität zwischen und unter den Studierenden sowie eine nachhaltige zukunftsorientierte Weiterentwicklung unserer Universität.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟨 Neutral |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟩 Ja |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟥 Nein |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟥 Nein |
Liste 2: Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS)
Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten Göttingen ist Teil der größten Hochschulpolitischen Gruppe in Deutschland. Laut eigenen Angaben setzt sich der RCDS in der Uni selbst, auf Landes- und Bundesebene für bessere Studienbedingungen und Serviceorientiertheit und vor allem gegen Extremismus jeglicher Art an unseren Hochschulen ein, damit die Vorzüge von Bildung jedem zugutekommen und alle ihr Studium „Ideologiebefreit“ gestalten können.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟨 Neutral |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟩 Ja |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟨 Neutral |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟨 Neutral |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟩 Ja |
Liste 3: Grüne Hochschulgruppe (GHG)
Die Grüne Hochschulgruppe setzt sich laut eigenen Angaben für Antidiskriminierung, Klimagerechtigkeit und queer-feministische Perspektiven ein. Dabei grezt sie sich eigener Angaben nach klar von Rassismus, Sexismus, Ableismus und rechte Ideologien ab und setzen sich für den Kampf gegen solche Ideologien auf Campus und darüber hinaus ein. Als ihre Hauptthemen setzt sich die Gruppe laut eigenen Angaben für einen klimaneutralen, nachhaltig gestalteten Campus und ein barrierearmes, diskriminierungsfreies Studium für alle ein.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | / |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟨 Neutral |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟩 Ja |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟥 Nein |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟥 Nein |
Liste 4: Unabhängige Studierende (US)
Die Unabhängigen Studierenden sind eine parteiunabhängige Hochschulgruppe, die sich eigenen Angaben nach für einen konstruktiven Austausch mit allen Hochschul- und Statusgruppen einsetzt, um die Probleme der Studierendenschaft und Universität zu lösen. Die größten Herausforderungen sieht die Gruppe in den Umstrukturierungsprozessen der Universität nach der Abwahl des ehemaligen Präsidenten Metin Tolans und dem Verlust des Exzellenzsstatus.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟨 Neutral |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟨 Neutral |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟨 Neutral |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟩 Ja |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟥 Nein |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟥 Nein |
Liste 5: Juso-Hochschulgruppe
Die Juso-Hochschulgruppe steht eigenen Angaben nach für Sozialismus, Feminismus, Antifaschismus und Internationalismus.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟥 Nein |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟩 Ja |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟨 Neutral |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟥 Nein |
Liste 7: Primus Inter Primates (PIP)
Primus Inter Primates ist eine Hochschulgruppe mit einem Kandiaten: David Rolinger. Die Hochschulgruppe setzt sich laut eigenen Angaben für eine Universität ein, die Verantwortung für Mensch, Umwelt und Gesellschaft übernimmt. Die Gruppe verbindet die wissenschaftlichen Stärken Göttingens mit Engagement für Klima-, Regenwald- und Primatenschutz.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟨 Neutral |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟩 Ja |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟨 Neutral |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟨 Neutral |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟨 Neutral |
Liste 8: Alternative Linke Liste (ALL)
Die Alternative Linke Liste stellt eigener Angaben nach ein Gegengewicht zu unpolitischen und rechten Hochschulgruppen dar, da sie Fragen der Lehre un Bildung als grundlegend politisch betrachten würde. Ihre Kernforderungen beinhalten, universitäre Bildung und ihre Möglichkeiten dafür zu öffnen, die bestehenden Verhältnisse herauszufordern und zu hinterfragen. Die Kernanliegen der Gruppe seien dabei feministische Praxis an der Universität zu fördern und studentische Initiativen und Gewerkschaften zu unterstützen.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟥 Nein |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟩 Ja |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟩 Ja |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟥 Nein |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟥 Nein |
Liste 9: Liberale Hochschulgruppe (LHG)
Die Liberale Hochschulgruppe setzt sich laut eigenen Angaben für beste Bildung, Eigenverantwortung und Freiheit im Studium, in der Lehre und in der Forschung ein.
Schnellfragerunde
| Befürwortet ihr Anwesenheitspflichten? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Verfolgung der Exzellenzstrategie? | 🟩 Ja |
| Befürwortet ihr die Verlängerung des Deutschlandtickets? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr mehr vegane oder vegetarische Angebote? | 🟥 Nein |
| Unterstützt ihr die Forderungen von Göttingen Unbefristet? | 🟨 Neutral |
| Denkt ihr ein Studium mit Kind ist gleichberechtigt möglich? | 🟩 Ja |
| Wird die Uni ihren Ansprüchen in Gleichberechtigung gerecht? | 🟩 Ja |
Andere Listen
Während die obengenannten acht Listen auf unsere Fragen geantwortet haben, haben die Gruppen NerdCampus, Schwarz-Rot-Kollabs (SRK), Die Gooner, der Internationale Jugendverband Göttingen (IJV) und die LISTE nicht auf unsere Fragen geantwortet.
Liste 6: NerdCampus
Die Gruppe NerdCampus hat den Fokus der Vertretung der Studierenden am Nordcampus und der damit verbundenen hauptsächlich naturwissenschaftlichen Fächern.
Liste 10: Schwarz-Rot-Kollabs (SRK)
Die Gruppe Schwarz-Rot-Kollabs treten vor allem mit satirischen Forderungen auf. Nachdem sie bei den letzten Wahlen zum Studierendenparlament ihren einzigen Sitz verloren haben, treten sie bei dieser Wahl mit sechs Personen auf ihrer Liste an.
Liste 11: Die Gooner
Die Gooner sind eine selbstidentifizierte Spaß-Partei und treten mit zwei Kandidaten an.
Liste 12: Internationaler Jugendverband Göttingen (IJV)
Der Internationale Jugendverband Göttingen ist Teil einer größeren Vereinigung von Internationalen Jugendverbänden in knapp 30 deutschen Städten. Laut eigner Angabe richtet sich die Gruppe an alle jungen Menschen, „die in einer Welt ohne gesellschaftliche, politische und ökonomische Unterdrückung und Ausbeutung leben wollen“. Dabei stelle sich die Gruppe unter anderem gegen „Krieg, Umweltzerstörung, Ausbeutung und jegliche gesellschaftliche Ungleichheit“.
Liste 13: Die LISTE
Die LISTE ist der Göttinger Hochschulableger der Satirepartei Die PARTEI – ihre traditionell sartirische Liste besteht aus drei Personen auf dem Wahlzettel, darunter auch Nico Schmidt, der auch bei den Kommunalwahlen dieses Jahres in Niedersachsen zur Wahl steht.
Listencheck 1: Priorität in StuPa und AStA
In der Frage nach den Prioritäten im nächsten StuPa und AStA finden sich klare Überschneidungen innerhalb der progressiven Gruppen beim Wunsch nach einer aktiveren und wirksameren Hochschulpoltitik. Die ALL, GHG, Volt, Jusos und Primus Inter Primates heben die gesellschaftliche Verantwortung der Universität hervor und verbinden Hochschulpolitik mit Themen wie Nachhaltigkeit, Antidiskriminierung, Internationalisierung, sowie Klima- und Umweltschutz.
Vernetzung – inneruniversitär wie überregional und international – sehen besonders progressive Gruppen als wichtiges Instrument in der Hochschulpolitik. Die GHG sieht eine Priorität in der Zusammenarbeit zwischen AStA und den studentischen Senator*innen bei der Findung einer neuen Person für das Präsidentenamt. Volt sieht die vergagenen Erfolge explizit in der Stärkung von fakultätsübergreifender Arbeit und Stärkung von Internationalisierung. Die ALL sieht eine Vernetzung mit anderen Asten als Mittel gegen zu hohe Semestergebühren.
Auch die Organisation von Veranstaltungen wird als wichtiges Anliegen besonders progressiver Gruppen gesehen. So betonen die Jusos den Erfolg von inhaltlicher Bildungsarbeit als Erfolg des vergangenen AStA und die GHG möchte Veranstaltungsorganisation zur Stärkung von Antidiskriminierung und dem Fokus auf Nachhaltigkeit stärken.
Primus Inter Primates sehen einen Mittelweg zwischen progressiven und Oppositionsgruppen. Die Gruppe sieht Kürzungen als notwendig an, sieht den AStA dennoch gesellschaftlich-verantwortlichen Akteur – sie fordert eine Stärkung von Primaten- und Regenwaldschutz.
Auf der Seite von Oppositionsgruppen formulieren besonders RCDS und US deutliche Kritik an der Arbeitsweise des aktuellen, progressiven AStAs. Der RCDS kritisiert eine aus ihrer Sicht falsche Schwerpunktsetzung des AStAs und fordert eine Rückkehr zu „serviceorientierter Hochschulpolitik“ – dazu zählen sie unter anderem die Abschaffung von nicht-verpflichtenden Referaten des AStAs, wie die für politische Bildung oder Nachhaltigkeit, die sie als „ideologische Selbstverwirklichung“ des AStA sehen, der zu hohe zusätzliche Personalkosten verursacht. Der RCDS und die LHG sehen dadurch auch explizit Einsparungsmöglichkeiten in einem weniger politisch positionierten AStA. Gleichermaßen möchten Sie in der Studierendenschaft eine Debatte über die Zeitgemäßheit der Zivilklausel beginnen.
Die Unabhängigen Studierenden kritisieren hingengen mangelnde Transparenz der AStA-Referenten und die fehlende Umsetzung von Beschlüssen aus dem Studierendenparlament – etwas, das die parlamentarische Kontrolle durch das StuPa schwieriger macht. Gleichzeitig fordern sie mehr konkreten Einsatz für die Studierendenschaft, wie Einsatz für Lernräume oder Mobilität gegen Kürzungen an der Universität und eine bessere Berichterstattung und Verantwortungsübernahme durch den AStA.
Entsprechend deutlich sind die Unterschiede, wie die Gruppen die Rolle des AStA betrachten. Während progressive Gruppen (ALL, GHG, Volt, Jusos, Primus Inter Primates) den AStA explizit als politischen Akteur betrachten – etwa im Kampf gegen Rechts oder zu Themen wie Internationalsisierung oder Nachhaltigkeit – sehen Oppositionsgruppen wie US, LHG und RCDS die Rolle des AStA in einer Konzentration auf organisatorische, servicebezogene Aufgaben. Eine politische Ausrichtung sehen sie hingegen kritisch.
Listencheck 2: Verbesserung von Studium und Lehre
In der Frage nach Lehre und Betreuung zeigt sich über nahezu alle Hochschulgruppen hinweg ein breiter Konsens darüber, dass an der Universität Göttingen deutlicher Verbesserungsbedarf besteht. Die Vorschläge reichen von strukturellen Reformen über soziale Zugänglichkeit bis hin zu Fragen der Digitalisierung und Mitbestimmung.
Ein zentrales Thema ist die Anpassung von Lehre an unterschiedliche Lebensrealitäten. Volt und die Jusos betonen besonders die Situation von Studierenden mit Kindern, Pflegeverantwortung, chronischen Erkrankungen oder Behinderungen. Volt fordert flexiblere Studienverläufe, verlässliche Betreuungsangebote und digitale Partizipationsmöglichkeiten, während die Jusos Anwesenheitspflichten kritisch sehen, da diese bestimmte Gruppen systematisch ausschließen könnten. Auch ALL verweist darauf, dass gute Lehre nur dann möglich sei, wenn Studierende ausreichend Zeit für ihr Studium haben und nicht durch finanzielle Zwänge übermäßig belastet werden.
Digitalisierung wird von mehreren Gruppen als Schlüssel zur Verbesserung der Lehre genannt. Volt und RCDS fordern den konsequenten Ausbau digitaler und hybrider Lehrformate, um Teilhabe zu erleichtern, moderne Wissenschaft zu ermöglichen und die Attraktivität der Universität zu steigern. Die LHG ergänzt diese Perspektive um die Forderung, Lehrmaterialien grundsätzlich vollständig online bereitzustellen. Digitalisierung wird dabei weniger als Selbstzweck, sondern als Mittel zur besseren Betreuung und Planbarkeit verstanden.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualität der Betreuung und der institutionellen Verlässlichkeit. Die US machen auf konkrete strukturelle Probleme aufmerksam, etwa fehlende Betreuungsplätze für Abschlussarbeiten, lange Korrekturzeiten oder unklare Zuständigkeiten. Ihre Forderungen nach einem verbindlichen Bewerbungsportal für Abschlussarbeiten, einheitlichen Korrekturfristen und der zügigen Umsetzung des neuen Schlüsselkompetenzsystems zielen vor allem auf bessere Planbarkeit im Studienverlauf. Auch die LHG fordert verbindlichere Strukturen, etwa durch mindestens zwei Klausurtermine pro Semester und eine ernsthafte Berücksichtigung von Lehrevaluationen.
Was ist das neue Schlüsselkompetenzsystem?
Schlüsselkompetenzen werden als Studienabschnitt in allen Studiengängen eingeführt werden (18 Credits in Bachelorstudiengängen, 12 Credits in Masterstudiengängen). Dabei muss ein Teil der Credit-Punkte aus dem Gesamtangebot der universitären Schlüsselkompetenzen frei wählbar sein (12 Credits in Bachelorstudiengängen, 6 Credits in Masterstudiengängen). Es dürfen dabei auch Module als Schlüsselkompetenzen angerechnet werden, die nicht als solche ausgezeichnet sind, aber für das eigene Profil hilfreich sind.
Studierende können dadurch Schlüsselkompetenzen und somit Module außerhalb ihrer eigenen Fakultät belegen. Zuvor war das nicht in jedem Studiengang und an jeder Fakultät möglich.
Mehrere Gruppen verknüpfen gute Betreuung zudem mit Arbeitsbedingungen in der Lehre. Die Jusos und die ALL sehen prekäre Beschäftigungsverhältnisse und befristete Stellen als zentrales Hindernis für kontinuierliche und verlässliche Lehre. Gefordert werden unbefristete Stellen, bessere Bezahlung und eine stärkere Wertschätzung von Lehrarbeit, insbesondere bei der Betreuung von Studierenden. Damit verbunden ist auch der Wunsch nach mehr Kontinuität und Verantwortlichkeit in Studiengängen.
Schließlich wird auch die Beteiligung von Studierenden selbst als wichtiger Faktor genannt. Die GHG fordert mehr Mitbestimmung bei der Weiterentwicklung von Studiengängen, etwa durch eine Neugestaltung des Tages der Lehre, und kritisiert Defizite bei der Umsetzung bestehender Regelungen wie der Kreditierung von Leistungen. Die ALL plädiert dafür, Studierende stärker in Qualitätssicherungsprozesse und die Festlegung von Studieninhalten einzubeziehen. PIP ergänzt diese Perspektive um ein eher bildungstheoretisches Verständnis von Betreuung: Lehre solle sowohl eine solide Grundausbildung sichern als auch individuelle Stärken fördern und Raum für Spezialisierung lassen.
Insgesamt zeigt sich ein einheitlicher Eindruck: Lehre an der Universität Göttingen soll und muss verbessert werden – die Frage ist lediglich wie und welche Instrumente priorisiert werden. Besonders progressive Gruppen verknüpfen die Qualität der Lehre mit den Arbeitsbedingungen und Mitbestimmung, während andere Gruppen Planbarkeit und Zugänglichkeit mithilfe Digitalisierung in den Fokus legen. Die konkreten Forderungen unterscheiden sich im Schwerpunkt, doch sie eint das Ziel, Studium verlässlicher, inklusiver und qualitativ hochwertiger zu gestalten.
Listencheck 3: Einsetzen für ein bezahlbares Studium
In der Debatte um den Semesterbeitrag herrscht unter den Hochschulgruppen Einigkeit darüber, dass dessen Höhe für viele Studierende eine erhebliche Belastung darstellt. Gleichzeitig wird deutlich, dass die Ursachen des Anstiegs aus Sicht vieler Gruppen nur begrenzt auf lokaler Ebene beeinflusst werden können.
Mehrere Gruppen – darunter Volt und US – betonen, dass die größten Kostenpunkte des Semesterbeitrags das Semesterticket, der Studierendenwerksbeitrag und der Verwaltungskostenbeitrag seien. Da diese Posten maßgeblich durch Landes- und Bundespolitik bestimmt würden, stoße die studentische Selbstverwaltung vor Ort an klare Grenzen. Beide Gruppen fordern deshalb eine stärkere hochschulübergreifende Interessenvertretung, etwa über die Landesastenkonferenz, um gegenüber der Politik mehr Druck aufbauen zu können. Zugleich verweisen sie auch darauf, dass die Entscheidung über die Semestertickets letztlich von den Studierenden selbst abhängt – durch die Entscheidung in den Urabstimmungen.
Das Semesterticket ist dabei dennoch einer der zentralen Streitpunkte. Jusos und Primus Inter Primates verteidigen das Solidarmodell ausdrücklich: Auch wenn nicht alle Studierenden gleichermaßen davon profitieren, ermögliche es insbesondere finanziell benachteiligten Studierenden Mobilität und soziale Teilhabe. Die Jusos verweisen zusätzlich auf bestehende Härtefallregelungen, die eine Rückerstattung des Ticketpreises möglich macht, und fordern, diese weiterzuführen und auszubauen. Gleichzeitig betonen sie, dass langfristig vor allem eine bessere Grundfinanzierung von Hochschulen und Studierendenwerken durch das Land notwendig sei. PIP argumentiert ähnlich und hebt den sozialen Ausgleich als entscheidenden Vorteil des solidarischen Modells hervor.
Demgegenüber lehnen RCDS und LHG das Solidarmodell des Semestertickets als Pflicht ab. Der RCDS sieht insbesondere im Deutschlandticket und im Studierendenwerksbeitrag eine finanzielle Überlastung der Studierenden. Er fordert, das Ticket nur noch optional anzubieten und die Studierendenwerke stärker durch politische Mittel zu finanzieren und nicht durch den Semesterbeitrag. Auch die LHG spricht sich klar gegen einen Zwang zum Semesterticket aus und fordert insgesamt eine deutliche Senkung des Semesterbeitrags, der im bundesweiten Vergleich wieder im unteren Bereich liegen solle.
Beim Studierendenwerksbeitrag gibt es wiederum Überschneidungen über politische Lager hinweg. Volt, US, Jusos, die GHG und die ALL verweisen darauf, dass die hohen Beiträge Ausdruck einer chronischen Unterfinanzierung der Studierendenwerke durch die Landesregierung seien. Die GHG möchte sich deshalb gezielt für eine starke studentische Vertretung in den Gremien des Studierendenwerks einsetzen und zugleich Informations- und Beratungsangebote zu finanziellen Hilfen, Stipendien und Mieterrechten ausbauen. Die ALL fordert explizit eine stärkere finanzielle Unterstützung der Studierendenwerke durch das Land, um bezahlbares Wohnen und Essen zu sichern.

Ein weiterer gemeinsamer Kritikpunkt ist der Verwaltungskostenbeitrag. Die GHG und die ALL sprechen sich klar für dessen Abschaffung aus und sehen hier eine unnötige zusätzliche Belastung für Studierende in Niedersachsen.
Insgesamt zeigt sich besonders ein Konflikt um das Semesterticket: Innerhalb der progressiven Gruppen ist klar, dass die hohen Preise für das Deutschlandticket einen höheren Semesterbeitrag und somit höhere Studienkosten verursachen. Dennoch verteidigen die Gruppen das Solidarmodell und verweisen auf die deutlich positiven Abstimmungen für die Tickets in den Urabstimmungen. RCDS und LHG lehnen die Tickets widerum als Pflicht ab.
Es zeigt sich allerdings auch eine Einigkeit: Ein dauerhaft bezahlbares Studium lässt sich nur durch politische Reformen auf Landes- und Bundesebene umsetzen. Fordert man ein optionales vergünstigtes Ticket, so muss auf Landesebene niedersächsisches Recht geändert werden. Will man das Studierendenwerk weniger über den Semesterbeitrag finanzieren, braucht es mehr Geld von der Landesregierung in Hannover. Und will man den Verwaltungskostenbeitrag abschaffen, so braucht es eine Gesetzesänderung durch den Landtag. Egal welche Lösung, alle Wege führen nach Hannover.
Listencheck 4: Sicherheit für ein Studium für alle
In der Auseinandersetzung mit Gewaltandrohungen, Extremismus und Vandalismus an der Universität Göttingen sind sich alle Hochschulgruppen in einem grundlegenden Punkt einig: Die Universität muss ein sicherer Ort für Studium, Arbeit und Austausch sein, unabhängig von Herkunft, Religion, politischer Überzeugung oder Identität.
Volt hebt die grundsätzliche Bedeutung von Sicherheit als Voraussetzung für jede weitere hochschulpolitische Debatte hervor. Die GHG betont die Rolle der Universität als Ort des wissenschaftlich fundierten Diskurses. Beide verurteilen Gewaltandrohungen, Einschüchterungen und Schmierereien – insbesondere rechtsextremer und antisemitischer Natur. Beide Gruppen setzen auf bestehende universitäre Strukturen wie die Antidiskriminierungsstelle oder Gespräche mit Universität und Stadt.
Die ALL legt den Schwerpunkt auf Prävention und Unterstützung. Ebenso wie die GHG, Jusos und Volt fordern sie Aufklärungsarbeit und Stärkung von Initiativen, niedrigschwellige und gut sichtbare Anlaufstellen für Betroffene. Zudem fordern sie eine zentrale universitäre Meldestelle für Schmierereien. Gleichzeitig plädieren GHG, Jusos, Volt und die ALL dafür, die Universität als möglichst offen Diskursraum zu betrachten, dessen Grenzen bei menschenfeindlichen Inhalten gezogen werden.
RCDS, PIP und LHG richten ihren Fokus auf Vandalismus und Hassbotschaften auf dem Campus. Beide veurteilen extremistische Parolen unabhängig von politischer oder religiöser Motivation und fordern die konsequente strafrechtliche Verfolgung aller extremistischer Schmiererein. Der RCDS hebt insbesondere antisemitische Schmierereien und die Verherrlichung der Hamas hervor und fordert von der Universitätsleitung ein klares Bekenntnis zu konsequenten Sanktionen – nicht nur strafrechtlich, sondern auch mit Blick auf das Studium, sofern Studierende beteiligt sind. Die PIP weißt darauf hin, dass die Universität nicht den Eindruck erwecken dürfe, bestimmte Gruppen auszuschließen.
Die Unabhängigen Studierenden (US) verurteilen Extremismus, Drohungen und Vandalismus ebenfalls scharf und betonen das Recht aller Universitätsangehörigen, angstfrei studieren und arbeiten zu können. Gleichzeitig äußern sie Skepsis gegenüber einer Politisierung internationaler Konflikte innerhalb der Hochschulpolitik. Universität und Studierendenschaft seien hierfür nicht der richtige Adressat.
Insgesamt zeigt sich ein breiter Konsens über die Notwendigkeit von Sicherheit, Schutz vor Gewalt und klarer Ablehnung von Extremismus. Die Unterschiede liegen vor allem darin, ob der Schwerpunkt stärker auf Aufklärungsarbeit und Prävention oder auf institutionellen Sanktionen oder Sicherheitsmaßnahmen gelegt wird.
Geht wählen!
Eine Studierendenvertretung zu haben, ist nicht selbstverständlich. Dass Studierende in hochschulpolitischen Gremien ein Mitspracherecht mitsamt fester Posten haben, ist nicht selbstverständlich. Auch die Struktur der studentischen Selbstverwaltung mit StuPa, AStA, Fachschaftsparlamenten und Fachgruppensprecher*innen ist ein Privileg. Dieses Privileg teilen wir Studierende der Universität Göttingen nicht mit allen Studierenden in Deutschland, geschweige denn mit allen Studierenden weltweit. Auch die Gelder, die AStA, Fachschaften und Fachgruppen aus universitären Mitteln zur Verfügung gestellt bekommen (z.B. zur Organisation der O-Wochen usw.), sind keine Selbstverständlichkeit.
Gerade in Zeiten des weltweiten Rückzuges von Demokratie ist das ein Privileg, dem wir uns bewusst sein sollten – nicht nur auf Europa-, Bundes- oder Landesebene. Sondern auch auf den kleinsten Ebenen, wie die unserer Universität. Nutzt euer Privileg. GEHT WÄHLEN!
Beitragsbild: Sebastian Brosowski
